GESUND BLEIBEN.
Der Präventionskongress 2019

IM GESPRÄCH MIT JOHANNES SINGHAMMER

Johannes Singhammer (CSU) war bis Sommer 2018 Bundestagsvizepräsident.
Er war Mitverfasser des Präventionsgesetzes, das 2015 in Kraft getreten ist. Johannes Singhammer ist Experte im Beirat der Gesellschaft für Prävention e. V.

Herr Singhammer, warum sind Prävention und Gesundheitsförderung so wichtig?
Prävention vermeidet Erkrankungen und fördert damit Gesundheit und ein glückliches Leben. Ohne Prävention gerät das solidarische Krankenversicherungssystem in Deutschland früher oder später in eine finanzielle Schieflage.

Wie kann das Präventionsgesetz nachhaltig inder Gesellschaft umgesetzt werden?
Offensive Werbung und das gute Beispiel sind die Königswege. Hinzukommen sollte ein deutlicher Anreiz: Wer sich gesundheitsbewusst verhält, sollte Vorteile bei der Beitragsgestaltung erhalten.

Und wie können am Ende möglichst viele Menschen erreicht werden?
Prävention sollte ein durchgehendes, nachhaltiges Prinzip in allen Lebensphasen sein. Beginnend in der Kita und Schule durch gesunde Ernährung und viel Bewegung. Gesundheitsbewusste Arbeitsmöglichkeiten im umfassenden Sinne müssten folgen. Ein für den Rücken ergonomischer angenehmer Stuhl allein genügt nicht.

Wie kann man die verschiedenen Lebenswelten miteinanderverknüpfen?
Der Sport, glaubwürdige Sportlerinnen und Sportler könnenals Vorbilder die unterschiedlichsten Milieus und Altersgruppen miteinander verbinden und motivieren.

Und wo stehen wir in Deutschland mit der Präventionsarbeit im internationalen Vergleich?
Wir haben aufgeholt, aber wir müssen uns weiter verbessern. Vor allem die Vermeidung von Übergewicht und in der Folge von Adipositas bei einer noch immer zu hohen Zahl von jungen Menschen muss erfolgreicher werden. Jeder einzelne Jugendliche, der mit 16 Jahren schon viel zu hohen Blutdruck hat, später Schlaganfall gefährdet ist und aufwendige Behandlungen benötigt, muss ein Ansporn sein, mehr zu tun.

Welche Innovationen, Chancen und Möglichkeiten sehen Sie derzeit? An welchen Stellen kann die Umsetzung des Präventionsgesetzes noch besser gelingen?
Die öffentliche Wahrnehmung einer gesunden, ganzheitlichen Lebensweise – eben Prävention – ist zweifellos steigerungsfähig. Prävention darf dabei aber nicht verordnet, sondern soll vielmehr spielerisch, fröhlich und motivierend vermittelt werden. Natürlich zählt dazu auch die Information: gezielt und passend für alle Lebenswelten.

 Wie kann die Kooperation zwischen den Krankenkassen und den Verantwortlichen in den einzelnen Lebensweltenbesser gelingen?
Besonders hilfreich sind Innovationsforen, die Möglichkeiten der Begegnungen, des Erfahrungsaustausches und der Kooperation zwischen Kassen und den Entscheidern in den verschiedenen Lebenswelten. Erfolgreiche Präventionsmodelle müssen nicht fortwährend neu erfunden werden, wohl aber macht die gemeinsame Umsetzung bewährter und geprüfter Strategien viel Sinn.

Und wie, Herr Singhammer, sieht Ihre Vorstellung von der Prävention in der absehbaren Zukunft aus?
Prävention soll die pure Selbstverständlichkeit sein und Deutschland wird Präventionsweltmeister.


Johannes Singhammer