Bewegung als Systemfrage: Parlamentarisches Frühstück der Apotheken Umschau fordert strukturelle Kehrtwende

Bewegungsförderung ist längst keine rein individuelle Willensfrage mehr, sondern eine fundamentale Systemfrage des deutschen Gesundheitswesens. Um über verkrustete Strukturen hinauszuwirken und den Weg für eine nachhaltige Präventionskultur zu ebnen, luden die Apotheken Umschau (Wort & Bild Verlagsgruppe) und die VIACTIV Krankenkasse zu einem hochkarätig besetzten Parlamentarischen Frühstück ins Berliner Café Einstein Unter den Linden ein. Unter dem Titel „Bewegung als Systemfrage – Kleine Bewegung. Große Wirkung.“ debattierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Krankenkassen und Praxis darüber, welche strukturellen Bedingungen es braucht, um Bewegung fest im Alltag zu verankern.
Hochkarätige Impulse und multiperspektivischer Austausch
Im Rahmen der Bewegungskampagne brachte das Format führende Akteurinnen und Akteure zusammen, um die drängenden Herausforderungen an den Schnittstellen von Bildung, Kommune und Gesundheitssystem zu beleuchten. Durch den Vormittag führten und debattierten:
Tina Haase (Mitglied der Chefredaktion Apotheken Umschau): Begrüßung der Gäste.
Dr. Ophelia Nick (Mitglied des Deutschen Bundestages): Übernahme der politischen Schirmherrschaft und Eröffnungsimpuls.
Prof. Dr. Christine Joisten (Deutsche Sporthochschule Köln): Wissenschaftliche Einordnung zu Evidenz und Bewegungsmedizin.
Markus Müller (Vorstand VIACTIV Krankenkasse): Blickwinkel des Gesundheitssystems und der Kassen bei der praktischen Umsetzung.
Prof. Christian Rudolph (Technische Hochschule Wildau): Analysen zur bewegungsfreundlichen Infrastruktur und städtischen Mobilität.
Tim Farin (Apotheken Umschau): Impulse zum aktiven In-Bewegung-Kommen.
Tom Hauthal (Special Olympics Deutschland): Fokussierung auf Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe.
Schule, Alltag und Prävention: Der Doppelpass aus Verhältnis- und Verhaltensprävention
Einen zentralen Praxis-Impuls steuerte der Beitrag aus Sicht von Schule, Alltag und Prävention bei. Im Kern wurde deutlich: Das Bewegungsverhalten von Kindern entscheidet sich maßgeblich in den frühen Lebenswelten von Kita und Schule.
Damit Gesundheitsförderung dort erfolgreich greift, bedarf es einer gezielten Unterstützung von außen sowie eines echten Doppelpasses zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention. Starke, handlungsfähige Kommunen mit echten Gestaltungsspielräumen und engagierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren als Schnittstellen in die Quartiere sind hierbei unverzichtbar. Wie wichtig diese personellen Brückenbauer sind, zeigen laufende Umsetzungsprojekte wie POWERPLAY: Ohne diese Akteure bleibt jede noch so kluge Strategie ein theoretisches Papier – dies belegen auch die begleitenden Evaluationen der Hochschule für angewandtes Management.
Die drei Kernkonsense des Morgens
In der abschließenden Synthese waren sich alle Teilnehmenden in drei zentralen Botschaften einig:
Bedingungen vor Willen: Bewegung ist primär eine Frage der strukturellen Voraussetzungen und nicht allein des persönlichen Willens.
Feste Verankerung: Prävention braucht einen verbindlichen Platz in Kommune, Bildungssystem und Versorgung – flankiert von klaren Zuständigkeiten und einer verlässlichen Finanzierung.
Evidenz und Inklusion: Wir müssen systematisch messen, was wirkt, und sicherstellen, dass auf diesem Weg niemand zurückgelassen wird.
Das Parlamentarische Frühstück hat wertvolle Denkanstöße geliefert, die nun an der Basis in konkrete Umsetzungspotenziale übersetzt werden müssen. Wer diesen Dialog vertiefen möchte, findet bereits den nächsten Meilenstein im Kalender: Am 25. Februar 2027 veranstalten die Initiatoren gemeinsam mit über 100 Gästen und Fachkräften – darunter prominente Mitwirkende wie Doc Esser – einen großen Co-Working-Kongress der Glüxpänz in Düsseldorf.



