Von der Lausitz ins Rheinland: Impulse für kommunale Gesundheitsförderung und Primärversorgung

Wie gelangt evidenzbasierte Gesundheitsförderung direkt in den Alltag der Menschen, und wie lässt sich eine niederschwellige, bedarfsgerechte Primärversorgung auf kommunaler Ebene nachhaltig etablieren? Vor diesen drängenden Fragen steht die Modellregion Gesundheit Lausitz. Um praxiserprobte Lösungsansätze vor Ort zu analysieren, begab sich eine hochkarätige Delegation der Medizinischen Universität Lausitz auf eine zweitägige Informations- und Netzwerkreise nach Düsseldorf und Köln.
Initiert und fachlich begleitet wurde der Austausch unter anderem durch Dr. med. Ute Teichert, MPH (GPeV-Beirätin mit langjähriger Expertise aus dem Öffentlichen Gesundheitsdienst und der Prävention), sowie Prof. Dr. Mathias Bellinghausen aus dem Vorstand der Gesellschaft für Prävention (GPeV). Die Exkursion verdeutlichte eindrucksvoll, wie strukturelle Kooperationen zwischen Primärversorgung, Sozialraum und Gesundheitsförderung gelingen können.
Station Düsseldorf: Strategische Prävention und kommunale Vernetzung
Der erste Tag der Reise stand ganz im Zeichen des strategischen Austausches in Düsseldorf. Im Mittelpunkt des Dialogs mit Vertreterinnen und Vertretern der AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse sowie weiteren Partnern standen praxistaugliche Konzepte der kommunalen Gesundheitsförderung.
Prof. Dr. Mathias Bellinghausen (GPeV) präsentierte konkrete Projekte und Best Practices zur strukturellen Verankerung von Prävention in Kommunen. Die Diskussion zeigte: Eine nachhaltige Entlastung der Regelversorgung gelingt nur, wenn Krankenkassen, Gebietskörperschaften und Versorgungsakteure Hand in Hand agieren, um gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen direkt in den Lebenswelten (Settings) der Bevölkerung zu verankern.
Station Köln-Chorweiler: Sozialraumorientierte Versorgung in der „Kümmerei“
Am zweiten Tag führte der Weg nach Köln in die Kümmerei in Köln-Chorweiler, einem Vorzeigeprojekt der Gesundheitsregion KölnNord. Hier wird das Prinzip der integrierten Stadtteilversorgung lebendig:
Niederschwelliger Zugang: Medizinische Grundversorgung, psychosoziale Beratung
und soziale Unterstützung sind unter einem Dach gebündelt.
Orientierung im System: Die Anlaufstelle hilft Bürgerinnen und Bürgern im Stadtteil dabei, schnell und unbürokratisch die passenden Hilfeangebote zu finden.
Brückenschlag: Verbindung von medizinischer Primärversorgung mit Präventions- und Sozialangeboten.
Für die Delegation aus der Lausitz bot der Blick auf diese sozialraumorientierten Versorgungsstrukturen wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sektorenübergreifende Versorgung an den realen Bedarfen der Bevölkerung ausgerichtet werden kann.
Der intensive Austausch wurde von einem breiten Bündnis aus Wissenschaft, Versorgungspraxis und Kommunalpolitik getragen:.
Auch wenn Konzepte aus Metropolregionen wie Köln oder Düsseldorf nicht eins zu eins auf den ländlich geprägten Strukturwandel in der Lausitz übertragbar sind, liefert der Blick über den Tellerrand entscheidende Bausteine. Spannend bleibt nun zu beobachten, ob und wie der strukturelle Schulterschluss zwischen Primärversorgung, öffentlichem Gesundheitsdienst und kommunaler Gesundheitsförderung in der Modellregion Lausitz gelingt.
Die GPeV wird diesen Prozess als Vernetzungspartner weiterhin aktiv begleiten und den Wissenstransfer zwischen Regionen bundesweit fördern.



