Nicht ausgebrannt, sondern austrainiert: Warum das Betriebliche Gesundheitsmanagement ein neues Wording braucht
Prävention hat im unternehmerischen Alltag allzu oft mit einem Imageproblem zu kämpfen. Sie wird in Betrieben vielfach mit Verboten, erhobenem Zeigefinger, vermeidbaren Kosten und einem lästigen „Muss“ assoziiert. Doch wie gelingt der Sprung von der defensiven Schadenvermeidung hin zu einer proaktiven, gewinnbringenden Unternehmenskultur? Auf der Tagung „KMU Impulse & Network – Der Mensch – der Schlüssel zum nachhaltigen Unternehmenskorgansation“ der Hanns-Seidel-Stiftung und der Interessenvertretung 50Plus e.V. im Konferenzzentrum München setzte GPeV-Vorstand Mathias Bellinghausen genau hier an. In seinem Eröffnungsimpuls zeigte er auf, wie Unternehmen das Prinzip des Spitzensports auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) übertragen können.
Prävention neu gedacht: Vom Verzicht zur Investition
Der Begriff der Prävention leitet sich etymologisch von „praevenire“ – zuvorkommen – ab. Wer im unternehmerischen Kontext zuvorkommt, bremst nicht erst im Ernstfall, sondern sichert sich in Zeiten rasant wachsender Herausforderungen einen echten Vorsprung beim Thema „Gesund bleiben“. Um diesen Perspektivwechsel in den Köpfen zu verankern, schlägt Mathias Bellinghausen einen einfachen, aber wirkungsvollen Schritt vor: das gezielte Austauschen des Vokabulars.
Wenn Begrifflichkeiten konsequent gedreht werden, verändert sich auch die Haltung:
Vermeidung wird zu Aufbau
Verzicht wird zur Investition
Pflicht wird zur Leistung
Risiko wird zum Potenzial
Der Spitzensport als Vorbild für die Wirtschaft
Ein Blick in den Leistungssport zeigt, dass dort niemand über ein „Präventionsproblem“ klagt. Was im Spitzensport betrieben wird, nennt sich schlicht und ergreifend Training. Belastung wird präzise dosiert, Erholungsphasen werden fest eingeplant, Fortschritte messbar gemacht und Erfolge gefeiert.
Genau dieses Prinzip lässt sich eins zu eins auf Unternehmen übertragen: Führungskräfte agieren als Trainerinnen und Trainer, Teams formieren sich zur geschlossenen Mannschaft, und die Gesundheit der Mitarbeitenden wird als gleichberechtigter wirtschaftlicher Faktor anerkannt.
Der Betrieb als Lebenswelt mit dem größten Hebel
Warum ist gerade der Arbeitsplatz der entscheidende Ort für wirksame Gesundheitsförderung? Rund 40 Jahre unseres Lebens verbringen wir im Erwerbsleben – ein Zeitraum, der Kita, Schule und Pflegeheim in ihrer Summe deutlich übersteigt. Gesundheit endet erwiesenermaßen nicht am Werkstor. Angesichts des demografischen Wandels, spürbaren Fachkräftemangels und wachsender gesundheitlicher Anforderungen ist der Betrieb jene Lebenswelt mit dem weitaus größten Hebel.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen hier über einen echten strategischen Vorteil: überschaubare Teams, kurze Entscheidungswege und damit beste „Trainingsbedingungen“ für ein unkompliziertes, wirksames BGM.
Erfolgreiche Prävention im unternehmerischen Raum verlangt nach klaren Zielen und einer positiven Haltung. Wie Mathias Bellinghausen treffend auf den Punkt brachte: „Training ohne Ziel ist Quälerei. Training mit Sinn ist Sport. Mit Prävention ist es genauso.“ Die Tagung in München hat einmal mehr verdeutlicht, dass der Mensch der Schlüssel zum nachhaltigen Unternehmserfolg ist. Die zentrale Frage, die jedes Unternehmen für sich beantworten muss, lautet daher: Wie heißt Prävention in Ihrer Organisation – lästige Pflicht oder gemeinsames Training?




